|
„Yeah“, schrie Pedro und streckte beide Daumen triumphierend in die Höhe. Soeben hatte er am Steuer unseres Reisebusses halsbrecherisch einen LKW überholt, der ihm lange das Vorbeifahren verwehrt hatte. Wir waren kurz vor der Passhöhe des El Cajas Nationalparks auf 4.250 m und hatten frühmorgens die letzte Etappe unserer 15tägigen Rundreise unter die Räder unseres Busses genommen. Guayaquil, mit ca. 3,5 Mio. Einwohnern Ecuadors, war das letzte Tagesziel im Land am „Mitad del Mundo“, die „Mitte der Erde“, wie es die Ecuadorianer bezeichnen. Ecuador hat ja seinen Namen vom Äquator, der durch das Land verläuft. Als wir, Karl und ich, mit einer 20köpfigen Reisegruppe in Quito aus dem Flugzeug stiegen , waren wir schon 20 Std. unterwegs, hatten zwar große Erwartungen, aber keine exakten Vorstellungen, was uns auf dieser Reise erwarten würde. Um es kurz zu machen - es war grandios! Denn Ecuador ist faszinierend: Nirgendwo sonst können Reisende auf kleinerem Raum so vielfältige Landschaften, Kulturen, Tiere und Pflanzen bestaunen. Die karge Bergwelt, der Artenreichtum des Regenwalds, die herrlichen Altstädte von Quito und Cuena bieten jeden Tag neue Erlebnisse. Mit einer Einschränkung: Mitten durch Ecuador verläuft die so genannte Straße der Vulkane, die auch von uns befahren wurde. 17 von 73 Vulkanbergen sind gelegentlich noch aktiv. Doch die ganz hohen Eisriesen wie Cotopaxi, mit 5.897m der höchste aktive, freistehende Vulkan der Erde und der Chimborazo, mit 6.310m der höchste Vulkan überhaupt, ließen sich nicht sehen. Erst heute, am vorletzten Tag unserer Reise, konnten wir den Chimborazo aus der Ferne sehen. Schade, sind wir doch so nahe an ihm vorbeigefahren.
Doch der Reihe nach in aller gebotenen Kürze: Die 15tägige Rundreise war so beeindruckend und nahe an den Menschen dieses Landes, wie es nur Einheimische, die ihr Land lieben, vermitteln können. Unsere Reiseleiterin Isabella de Landazuri, eine gebürtige Augsburgerin, lebt seit über 10 Jahren in Ecuador, ist mit einem Einheimischen verheiratet, hat zwei bezaubernde Töchter und hat sich voll und ganz ihrer jetzigen Heimat verschrieben. Denn Urlaub machen und Gutes tun, war auch ein Hintergrund dieser von ihr organisierten Reise. Unsere Reiseleiterin hat wohl deshalb die Rundfahrt veranstaltet, um unaufdringlich Sponsoren für das von ihr ins Leben gerufene Projekt „Kinder- Hilfe-Ecuador“ zu gewinnen. So konnten wir im Auftrag der Kolpingfamilie einen Scheck über $ 1.000 direkt im Kindergarten „Kolping“ in El Ejide übergeben. Bei der Reise durch Ecuador waren für uns am Beeindruckendsten die drei Tage im Regenwald. Die Herzlichkeit der Einheimischen, der Artenreichtum des Dschungels, die Weite und Großartigkeit der Wälder, die wasserreichen Flussläufe im Quellgebiet des Amazonas, das abenteuerliche Quartier auf der Lodge, der nächtliche Sound des Urwalds - einfach überwältigend! Und mitten durch dieses Paradies läuft die verrostete Pipeline, durch die Öl zur Verladung ans Meer gepumpt wird. Und immer mehr Lecks tun sich auf, die den Boden und die Menschen verpesten (alles Informationen der Insiderin Isaabella).Aber die Leute beginnen sich zu wehren. Viele der Indigenos sind gut ausgebildet und kämpfen gegen die Ölkonzerne und Großgrundbesitzer, um der weiteren Zerstörung ihrer Heimat Einhalt zu gebieten. Hoffen wir, nicht zuletzt aus eigenem Interesse, dass sie der Zerstörung des Regenwalds entgegenwirken können. So, nach diesen weniger schönen Anmerkungen und Gedanken, zurück zu unserer Reise. Übermorgen, nach einem Tag Guayaquil , geht’s also wieder zurück in die Heimat. Die Urlaubstage hier sind wie im Flug vergangen. Hoffentlich vergeht der lange Rückflug ebenso schnell!.
(Hubert Haberer) |